Ostern begeistert mich immer wieder

Ein brutaler Präfekt, der sich trotz hundertfacher Hinrichtungen unter seiner Herrschaft, die Zeit nimmt, mit einem einzigen Unruhestifter dessen Motive für seine Unbotmäßigkeit zu erörtern? Und dann noch mit einem Protokollanten – oder gar mehreren –, da doch jeder etwas anderes zu berichten weiß? Jüngern gar, da nichts anderes überliefert wurde?! Ein Aufrührer, der im Ergebnis zu den Vorwürfen und seiner dadurch drohenden Hinrichtung einfach nichts zu sagen weiß, sondern offensichtlich nur zu verstehen gibt, dass für ihn der Lauf der Dinge so ganz o.k. sei? Das sind nur die merkwürdigsten Merkwürdigkeiten an dieser „Geschichte“.

Alles, was er nach den Berichten auf die Frage, ob er der König der Juden sei, zum Besten gibt, ist ein: „Du sagst es“! Was natürlich mit anderer Betonung auch heißen könnte: „Ich sag’ nur, dass ich nichts sage oder bzw. ich es nicht sage“! Warum aber dann überhaupt auf einmal die Frage, ob er König sei? Davor war bislang und auch aus dem gesamten Auftreten Jesu nie die Rede oder wurden Anhaltspunkte geliefert, dass er dass sein wolle. Jeder andere hätte wohl dann einfach mal gesagt, dass er sich nie als König ausgegeben hätte, und dies hat ja übrigens ja noch nicht einmal ein irgendwie vielleicht auftretender Zeuge behauptet. Auch als Messias hat er sich nicht ausgegeben, obwohl das selbst für Juden nichts „Strafbares“ gewesen wäre, und einen römischen Präfekten ohnehin nichts von Interesse gewesen wäre – jedenfalls, wenn sich dieser – so wie die Evangelien ihn darstellen – für eine friedliche Änderung eingetreten wäre. Rein jüdisch gesehen, wäre da doch „Pfeffer“ in der Sache gewesen, da dieser jüdische Messias im Namen ihres Gottes auch mit höherer Gewalt und gerade gegen Rom „für Ordnung gesorgt hätte“. Aber so tief geht die Geschichte gerade nicht. Für einen Statthalter wäre damit nach der Logik und der Erwartungshaltung eigentlich und ohnehin der angebliche Prozess erledigt und dieser jüdische Prediger in die Freiheit zu entlassen gewesen. Aber so lief es ja gerade nicht. Was natürlich die Frage aufwirft, was lief denn hier wirklich – wenn man zumindest einen rudimentären Kern als historisch anerkennen möchte?

Wenn man das Ganze ja konsequent ernst nehmen würde, könnte Jesus ja Pilatus irgendwie von Reich Gottes etc. zu überzeugen versuchen. Und die ganze römische Besatzungsmacht wäre in der Folge zum Judentum – an ein Christentum dachte selbst Jesus nicht! - übergetreten. Das wäre ein Ding gewesen. Da hätten die sich in der Zentrale in Rom aber ganz schön die Augen gerieben. Und wie viel Tote und Aufwand dadurch vermieden worden wären! Es hätte auch gar keines verstörten Paulus bedurft, der mühsam herumgondelte und da und dort einzelne zu was auch immer bekehrte, nein, die göttlich Botschaft wäre mit der römischen Feldpost direkt weitergesandt worden. Und das Allerschönste: Jesus selbst hätte noch zu all den Fragen, die ja seine Nachfolger und Wortverdreher so in die Welt gestreut haben, selbst Stellung nehmen können. Ja, man hätte ja nicht einmal einen mehrfachen Mörder und Kaiser – diesen Konstantin – gebraucht, um das Christentum der Welt bekannt und die Welt in dessen Sinne untertänig zu machen. Als wundertätiger Gott wäre das ja direkt ein Klacks gegen Totenauferweckungen, Heilungen von Gelähmten, Weinvermehrungen, Sturmausbremsen und ähnlichem.

Ein reicher Förderer, der eine „bessere“ Grabstätte zur Verfügung stellt, da er die kommende Aktion wohl schon im Anzug und sich – so zu Recht, nach der historischen Wahrheit hingegen vollkommen zu unrecht - in den Annalen wähnt.

Eine Frau, die statt einer Einbalsamierung (nach Grablegung wohlgemerkt!) nur ein leeres Grab sieht und dann nach der ersten Verwunderung mit kriminalistischem Scharfsinn schlussfolgert: Da kann nur einer gen Himmel gefahren sein.

Apropos „fahren“: „Aufgestiegen“ wäre auch falsch, da ja keine Treppen vorhanden gewesen sein dürften, nein: ein raketenmäßiger Abflug in körperlich unversehrtem Zustand, ohne Sauerstoffmaske oder sonstigen Schnickschnack. Nein einfach so - ab in den Orbit. Ob sich der Leib während des Steigflugs dann doch vergeistigt hat oder ob wir eine leibliche Satellitenstation bewundern (!) müssten, konnte leider noch nicht geklärt werden.
Aber jedenfalls: Saustarke Nummer!

Und schließlich einer, der diese Zeugnisse so rund 50 Jahre später aufschreibt und so tut als wäre es aus erster Hand. Da muss man schon notorischer Optimist sein, wenn man da nur vom „guten Glauben“ ausgehen will. Da ja nur eine Zeugin oder nach anderer Version ja Petrus und der berühmt berüchtigte „Lieblingsjünger“ direkt den Abgang durch „Nicht mehr die Leiche sehen“ „bezeugen“, muss man bei der Erstfassung mit Magdalena ja nachdenklich werden, da Frauen ja nach jüdischen Recht kein Zeugnis von irgendetwas ablegen durften, und wer sich auf eine Zeugin berief, lief unter Kennern der Materie nicht Gefahr als „Verdreher“ gebrandmarkt zu werden, weil durch ihn (!) ja eben „nichts“ bezeugt wurde. Aber mit ein bisschen mehr griechischem Verständnis baut man eben doch sicherheitshalber noch zwei Männer ein. Da wird doch alles gleich viel glaubwürdiger. Doch diese geben ja auch nur wieder, was nicht da ist und liefern eine überraschende Schlussfolgerung.

Die Stelle wird noch nach Jahrhunderten von der Kaiser-Mutter Helena zielsicher geortet und dann eine Grabeskirche darüber gebaut. Klar dass nach 300 Jahren auch noch das Kreuz gefunden wurde. Die Holzsplitter hat man dann kaufmannstüchtig als Reliquien verhökert, so dass jetzt ganze Schiffe aus Holz mit „dem wahren Kreuz“ gebaut werden könnten.

Eine wunderbare Geschichte, die heute noch Millionen berührt.

Ich brauche jetzt aber drei Tage Zeit, um mich von diesen fundamentalen Erkenntnissen zu erholen! - Ich freue mich dabei darauf, dann im Garten Ostereier zu suchen und die Osterhasen im Feld herum springen zu sehen – ob die damals auch schon dabei waren? Das schönste an Ostern sind doch die Ostereier und Osterhasen aus Schokolade. Aber wie geraten die jetzt in die Geschichte? - Das wäre dann sicherlich noch eine ganz andere Geschichte!

Roland Weber