08.09.2012 Bundesweiter Aktionstag gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz

Infostand am Bismarckplatz in Heidelberg

(08.09.2012)

Mit einem bundesweiten Aktionstag wird die Kampagne "Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz" (GerDiA) auf die Situation der Beschäftigten in Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft aufmerksam machen. In 10 Städten werden am 8. September Aktionen stattfinden, die darauf hinweisen, dass in diesen Einrichtungen wichtige Grundrechte nicht gewährleistet sind, und ein Ende dieses Zustandes fordern.

Eine Kooperation der Säkularen Humanisten und des Arbeitskreises der Laizisten in der SPD Heidelberg
Laizisten in der SPD
Laizisten auf facebook

Sozialeinrichtungen sind keine kirchlichen Einrichtungen, das Personal in Krankenhäusern oder Kindertagesstätten muss nach Kriterien ausgewählt werden, die sich aus den Interessen der Patienten bzw. Kinder ergeben, nicht aus den Moralvorstellungen der Kirchen. In Zeiten, in denen über Fachkräftemangel im Sozialbereich geklagt werde, darf die Religionszugehörigkeit bei der Einstellung eben sowenig eine Rolle spielen wie die Frage, mit wem oder wie oft ein Mensch verheiratet ist. Die Antidiskriminierungsbestimmungen müssen endlich konsequent umgesetzt werden. Ausnahmeregelungen im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz darf es nicht geben.

Derzeit finden Arbeitssuchende in Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft keine Anstellung, wenn sie keiner christlichen Kirche angehören; in katholisch geführten Betrieben auch dann nicht, wenn sie mit einem gleichgeschlechtlichen Partner zusammenleben, ein "uneheliches" Kind haben oder nach einer Scheidung eine neue Partnerschaft eingegangen sind. Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft werden nicht von den Kirchen, sondern - wie alle anderen Sozialeinrichtungen auch - aus öffentlichen Mitteln, vor allem der Sozialkassen, finanziert. Trotzdem findet in ihnen weder das Betriebsverfassungsgesetz noch das  Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Anwendung. http://www.gerdia.de/

Am 8.9.2012 beteiligten wir (die Säkularen Humanisten - GBS Rhein-Neckar e.V.) uns mit den Laizisten in der SPD am bundesweiten Aktionstag "Gegen Religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz" (GerDiA) mit einem thematischen Informationsstand in Heidelberg.
Im strahlenden Sonnenschein bauten wir am Bismarckplatz - dem geschäftigen Verkehrs- und Einkaufs-Zentrum von Heidelberg - den GerDiA-Infostand auf. Begleitet wurden wir zunächst von der "Freien Christlichen Gemeinde Heidelberg", die direkt an unseren Stand angrenzend mit lautem Gesang und massivem Flugblattverteilen "informierte". Erstaunlicherweise gab es sogar von dieser Seite "Zuspruch": Die Monopolstellung der Großkirchen sei falsch, es sollte das "gleiche Recht für alle Kirchen gelten". Auf der anderen Seite unseres Standes verteilte die Piratenpartei ihr Grundsatzprogramm und Säbel-Luftballons. Auch von dieser Seite wurde unser Anliegen positiv aufgenommen, denn die Piraten haben ebenfalls den Abbau der Kirchenprivilegien in ihrem Programm.

So ergaben sich über die Stunden immer wieder fruchtbare Gespräche mit Passanten: Fast jeder, dem wir die Ziele der GerDiA erläutert haben, teilte die Meinung, dass die jetzigen Sonderrechte der kirchlichen Arbeitgeber - von denen manche gar nichts wussten - schleunigst abgeschafft werden müssten. Eine Besucherin freute sich besonders von der Kampagne zu erfahren: Ihr Mann arbeitet in einer kirchlichen Einrichtung und wird gerade mit solchen Problemen konfrontiert. Ein anderer Passant (Austauschstudent aus Tschechien) wunderte sich, dass es solche Gesetze in Deutschland gäbe und beklagte die aktuelle Lage in Tschechien, wo sich die Großkirchen ihre enteigneten Güter gerade zurückklagen.
Über die humanistischen und säkularisierenden Bemühungen der GBS wurde reichlich und teils kontrovers diskutiert, auch über Gott und den Glauben an sich. Ob religiös aktiv, tolerant, oder kritisch, waren sich unsere Besucher jedoch erstaunlich einig, die Initiative GerDiA zu begrüßen.

ei